Melken

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Hier melke ich eine Ziege

Die Theorie des Melkens ist relativ einfach, aber man muss es in der Praxis lernen.

Bevor sie gemolken wird, muss die Ziege, die Kuh, das Schaf, die Stute oder was auch immer gebären. In den ersten Tagen nach der Geburt gibt sie Milch einer besonderen Zusammensetzung, die Kolostral– oder Biestmilch (auch: das Kolostrum), die normalerweise nicht für den menschlichen Konsum verwendet wird.

Im Allgemeinen milkt man zweimal am Tag, immer etwa zur gleichen Zeit. Wenn eine Ziege oder ein Schaf Junge hat und sie stillt, kann es reichen, einmal am Tag zu melken, aber es empfiehlt sich, regelmäßig zu melken, damit sie nicht mit der Milchproduktion nachlässt und dass sie, insbesondere wenn sie jung ist, sich daran gewöhnt.

Wir beginnen mit sauberen und trockenen Händen. Ganz am Anfang melken wir vor (von Hand): zwei bis drei Spritzer je Zitze auf einen Untergrund, wo die Milch sichtbar ist, am besten in einen Vormelkbecher. Dann sehen wir, wenn die Milch stark verändert ist, etwa flockig oder blutig. Und gleichzeitig entfernen wir die keimreichste Milch, die sich am Ende des Strichkanals befindet. Damit sich diese Milch nicht mit der restlichen Milch in der Zitze vermischt, melken wir sie vor dem Putzen und Massieren des Euters. Sie darf nicht in den Verkehr kommen. Manche Bauern melken auf den Boden vor. Ich bitte, das nicht nachzuahmen; erstens sieht man da nicht so gut die Qualität der Milch, zweitens fördert das die Entwicklung unkontrollierbarer Bakterien.

Vor dem Melken muss das Kuheuter angerüstet (massiert) werden, damit die Kuh das Hormon Oxytocin ausschüttet und die Milch fließen lässt, beim Ziegeneuter ist das nicht nötig. (Ich habe auch schon erlebt, dass sich eine Kuh durch ein bestimmtes Futter – in diesem Fall Apfeltrester – zur Oxytocinausschüttung stimulieren lässt.) Aber reinigen muss man jedes Euter, und manchmal ist dieses Reinigen genug des Anrüstens. Man reinigt beispielsweise mit Holzwolle. Ein sehr schmutziges Euter kann man mit einem nassen Lappen waschen, aber nachher muss es getrocknet werden.

Melkzeug einer Melkmaschine am Kuheuter

Danach beginnt man mit dem Melken. Mit den Zeigefingern schließen wir den oberen Teil der Zitzen wie einen Sahnesack und drücken mit den anderen Fingern die Milch nach unten, wo wir sie in einem Behälter auffangen, gewöhnlich einem Eimer.

Wenn wir Kühe oder Büffel melken, müssen wir von Zeit zu Zeit zwischen den vorderen und den hinteren Zitzen wechseln, da sie vier haben. Ziegen, Schafe und Stuten haben nur zwei.

Manche Ziegen sind daran gewöhnt, von der Seite gemolken zu werden (möglicherweise immer von derselben Seite), andere von hinten. Wenn du aushilfst, richte dich nach der Gewohnheit der Tiere. Wenn du selber für längere Zeit die Verantwortung übernimmst, kannst du die Ziegen auch umgewöhnen, wenn es dir besser passt.

Auch wenn du mit der Melkmaschine arbeitest, empfehle ich dir, gelegentlich ein Tier von Hand auszumelken. So bekommst du einen engeren Bezug zu den Tieren.

Mit so einem Becher kann man die Zitzen nach dem Melken desinfizieren

Beim Melken mit der Maschine gibt es unterschiedliche Philosophien. Menschen, die sich mit den Tieren verbunden fühlen, drücken das Melkzeug am Ende bis zu einer halben Minute hinunter, um die restliche Milch herausfließen zu lassen. (Niemals mehr als eine halbe Minute, weil der Schließmuskel der Zitzen darunter leidet.) Melker mit mehr Distanz zu ihren Tieren (auf Großbetrieben) verzichten darauf und hängen das Melkzeug gleich ab, um das Tier daran zu gewöhnen, die Milch nicht zurückzuhalten.

Nach dem Melken ist es sinnvoll, die Zitzen in ein Desinfektionsmittel zu tauchen, da dann die Öffnungen wegen Entspannung der Schließmuskel für Krankheitserreger relativ leicht durchgänglich sind.

Vor Gebrauch muss die Milch durch einen Filter fließen oder für den Hausgebrauch zumindest durch ein Sieb.

Eines Tages entdeckten unsere Schweine, wie man die Kühe der Nachbarn milkt, ohne dass es ihnen jemand gezeigt hätte. (Wir tränkten sie mit saurer Molke, aber nicht mit Milch.)

Schweine melken eine Kuh, das ist keine Fotomontage, das haben wir wirklich erlebt

 

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