
Die Theorie des Melkens ist relativ einfach, aber man muss es in der Praxis lernen.
Bevor sie gemolken wird, muss die Ziege, die Kuh, das Schaf, die Stute oder was auch immer gebären. In den ersten Tagen nach der Geburt gibt sie Milch einer besonderen Zusammensetzung, die Kolostral– oder Biestmilch (auch: das Kolostrum), die meist nicht für den menschlichen Konsum verwendet wird.
Im Allgemeinen milkt man zweimal am Tag, immer etwa zur gleichen Zeit. Wenn eine Ziege oder ein Schaf Junge hat und sie stillt, kann es reichen, einmal am Tag zu melken, aber es empfiehlt sich, regelmäßig zu melken, damit sie nicht mit der Milchproduktion nachlässt und dass sie, insbesondere wenn sie jung ist, sich daran gewöhnt.
Wir beginnen mit sauberen und trockenen Händen. Ganz am Anfang melken wir vor (von Hand): zwei bis drei Spritzer je Zitze auf einen Untergrund, wo die Milch sichtbar ist, am besten in einen Vormelkbecher. Dann sehen wir, wenn die Milch stark verändert ist, etwa flockig oder blutig. Und gleichzeitig entfernen wir die keimreichste Milch, die sich am Ende des Strichkanals befindet. Damit sich diese Milch nicht mit der restlichen Milch in der Zitze vermischt, melken wir sie vor dem Putzen und Massieren des Euters. Sie darf nicht in den Verkehr kommen. Manche Bauern melken auf den Boden vor. Ich bitte, das nicht nachzuahmen; erstens sieht man da nicht so gut die Qualität der Milch, zweitens fördert das (zumindest im Stall, nicht so sehr im Melkstand) die Entwicklung unkontrollierbarer Bakterien.
Sehr wichtig ist die Euterpflege. Auf keinen Fall darf man das Euter mit Melkfett behandeln.

In mehr oder weniger regelmäßigen Zeitabständen, etwa alle zwei bis vier Wochen, sollte man die Milchqualität jedes gemolkenen Tieres überprüfen, etwa mit Hilfe eines Schalmtests. Auch bei Verdacht auf Entzündung ist er angesagt. Der Schalmtest zeigt die Zellzahl an. Diese ist bei Kuh- und Schafsmilch ein guter Indikator für die Keimzahl, bei Ziegenmilch nur bedingt. Ich habe auch mal bei einer Stute einen Schalmtest gemacht, ohne zu wissen, wie aussagekräftig er dort ist, sah aber einen deutlichen Unterschied zwischen beiden Hälften.
Vor dem Melken muss das Kuheuter angerüstet (massiert) werden, damit die Kuh das Hormon Oxytocin ausschüttet und die Milch fließen lässt, beim Ziegen- oder Schafseuter ist das nicht nötig. (Ich habe auch schon erlebt, dass sich eine Kuh durch ein bestimmtes Futter – in diesem Fall Apfeltrester – zur Oxytocinausschüttung stimulieren lässt, wenn sie daran gewöhnt ist, dieses Futter vorm Melken zu bekommen.) Aber reinigen muss man jedes Euter, und oft ist dieses Reinigen genug des Anrüstens. Man reinigt beispielsweise mit Holzwolle. Ein sehr schmutziges Euter kann man mit einem nassen Lappen waschen, aber nachher muss es getrocknet werden.

Danach beginnt man mit dem Melken. Mit den Zeigefingern schließen wir den oberen Teil der Zitzen wie einen Sahnesack und drücken mit den anderen Fingern die Milch nach unten, wo wir sie in einem Behälter auffangen, gewöhnlich einem Eimer.
Wenn wir Kühe oder Büffel melken, müssen wir von Zeit zu Zeit zwischen den vorderen und den hinteren Zitzen wechseln, da sie vier haben. Ziegen, Schafe und Stuten haben nur zwei Zitzen.
Manche Ziegen sind daran gewöhnt, von der Seite gemolken zu werden (möglicherweise immer von derselben Seite), andere von hinten. Wenn du aushilfst, richte dich nach der Gewohnheit der Tiere. Wenn du selber für längere Zeit die Verantwortung übernimmst, kannst du die Ziegen auch umgewöhnen, wenn es dir besser passt.
Auch wenn du mit der Melkmaschine arbeitest, empfehle ich dir, gelegentlich ein Tier von Hand auszumelken. So bekommst du einen engeren Bezug zu den Tieren und zur Milch.
Beim Melken mit der Maschine gibt es unterschiedliche Philosophien. Menschen, die sich mit den Tieren verbunden fühlen, drücken das Melkzeug am Ende bis zu einer halben Minute hinunter, um die restliche Milch herausfließen zu lassen. (Niemals mehr als eine halbe Minute, weil der Schließmuskel der Zitzen darunter leidet.) Melker mit mehr Distanz zu ihren Tieren (auf Großbetrieben) verzichten darauf und hängen das Melkzeug gleich ab, um das Tier daran zu gewöhnen, die Milch nicht zurückzuhalten.
Das gesamte Melkgeschirr muss nach Gebrauch gründlich gereinigt werden.

Vor Gebrauch muss die Milch durch einen Filter fließen oder für den Hausgebrauch zumindest durch ein Sieb. Die Filter aus Vlies sind zum einmaligen Gebrauch. Was kann man mit den schmutzigen Filtern machen? Man kann sie im Ofen verbrennen. Man kann sie verrotten lassen. Vielleicht hat man gar einen Hund, der sie liebend gerne frisst.
Eines Tages entdeckten unsere Schweine, wie man die Kühe der Nachbarn milkt, ohne dass es ihnen jemand gezeigt hätte. (Wir tränkten sie mit saurer Molke, aber nicht mit Milch.) Also haltet bitte die Schweine von laktierenden Tieren fern! Und vertraut niemandem, der behauptet, nur Menschen würden artfremde Milch trinken!
Namen in anderen Sprachen:
(en.) milk, (pt.) ordenhar, (sp.) ordeñar, (fr.) traire, (surselv.) mulscher, (it.) mungere, (ru.) доить, (lat.) MVLGERE
das Melken: (en.) milking, (pt.) a ordenha, (sp.) el ordeño, (fr.) la traite, (it.) la mungitura, (ru.) доение
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