Soma

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Amanita-muscaria-1 Soma
War Soma der Fliegenpilz?

Der Rigveda des alten Indiens singt über einen Gott mit dem Sanskrit-Namen Soma (सोम). Er wird identifiziert mit einer Pflanze und einem aus dieser bereiteten Opfergetränk.

Die Verse 9 und 10 des 3. Liedes des 9. Buches: „Ein Gott, nach altem Ursprung rinnend, ausgedrückt für Götter – rinnt gelblich durch das Sieb. Er, der Mächtige und Erfahrene, saftig nach Produktion fließend, strömt ausgedrückt“ (Übersetzung aus dem Sanskrit von mir).

Die Produktion des Getränkes wird so beschrieben, dass sie größtenteils verständlich ist: Man gießt Wasser über die Pflanzen, man wäscht sie und schüttelt sie. Danach nimmt man sie heraus, und vor allem ihre Füße werden sauber gerieben. Die Pflanzen gibt man auf ein durchlöchertes Brett und sie werden durch einen Filter aus Schafwolle gepresst. Der Saft wird mit Kuhmilch gemischt. Die Beschreibung geht offensichtlich davon aus, dass die Leser den Prozess kennen, so ist er nicht in allen Einzelheiten beschrieben. Das Getränk berauscht und gibt Heldenkräfte.

Um welche Pflanze es sich handelt, ist unklar. Es gibt verschiedene Hypothesen:

  • DSCF0216-1 Soma
    War Soma ein alkoholisches Getränk?
    Die populärste Hypothese ist, dass es sich um den Fliegenpilz handelt. Es wurde gar vermutet, dass die Sibirier dessen Gebrauch von den Ariern gelernt hätten, bis hin zur rein spekulativen These, dass der Schamanismus (oder das Wort „Schamane“) arischen Ursprungs sei. Das ist insofern nicht überzeugend, da auf den Fliegenpilz der Prozess des Ausdrückens nicht passt. Zudem ist es üblich, diesen Pilz erst zu trocknen, und der Rigveda spricht von keiner Trocknung.
  • Manchmal wird vorgeschlagen, dass es sich um ein alkoholisches Getränk handelt. Jedoch findet sich in der Beschreibung keine Wartezeit für die Gärung, vielmehr klingt es nach sofortigem Gebrauch. Aus ethnologischer Sicht kann man anfügen, dass die große göttliche Rolle, die man dem Soma gibt, nicht typisch für alkoholische Getränke ist, sondern für Halluzinogene.
  • Auch die Hypothese, es könne sich um verschiedene Pflanzen handeln, wird diskutiert, von denen manche bis heute in Gebrauch sind (wie der Hanf und die Steppenraute). Andererseits wäre dann zu erwarten, dass an der einen oder anderen Stelle erwähnt wird, auf welche Pflanze sich der betreffende Textteil bezieht, was nicht der Fall ist.
  • Man kann auch diskutieren, ob das Getränk nicht real, sondern nur mythisch war. Doch muss man aufgrund der Beschreibung des Prozesses, die aus mehreren verteilten Passagen besteht, davon ausgehen, dass der Produktionsprozess damals bekannt war.

So erscheint keine dieser Hypothesen wirklich überzeugend. Aber man kann auch keine mit letztlicher Sicherheit ausschließen. Es bleibt ein Mysterium.

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