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Kolostrum, Kolostralmilch oder Vormilch ist die Milch jeglichen Säugetierweibchens (auch der Menschenfrau) in den ersten paar Tagen nach der Geburt. Bei gemolkenen Nutztieren, v. a. bei der Kuh, spricht man auch von Biestmilch (seltener sagt man einfach „der Biest“).
Wenn man eine Kuh, eine Ziege oder was auch immer in den ersten Tagen nach dem Kalben, Zickeln oder was auch immer milkt, darf man sie nie ganz ausmelken, denn das Tier könnte dadurch lebensbedrohlichem Calciummangel erleiden. Zudem haben wir in der Selbstversorgung ja zumeist die Jungtiere dabei, die Milch benötigen.
Für ein neugeborenes Tier ist die Biestmilch sehr wichtig, da sie das Immunsystem aufbaut. Von ganz besonderer Wichtigkeit ist das Kolostrum für die neugeborenen Wiederkäuer. Die Jungen mancher Säugetiere übernehmen aus dem Kolostrum Antikörper, das ist beim Menschen nicht der Fall.
Die neugeborenen Wiederkäuer haben noch keine Antikörper und müssen sie innerhalb weniger Stunden durch das Kolostrum aufnehmen. Ein Kalb braucht eine gute Woche, um ein Immunsystem aufzubauen, ist also in dieser Zeit auf die Antikörper und Immunoglobuline der mütterlichen Milch angewiesen. Die Kuh hat in ihrer Biestmilch die für ihre jeweilige Umgebung wichtigen Antikörper; bei einem Ortswechsel braucht sie etwa drei Wochen, um sich anzupassen.
Im Übrigen erleichtert das Melken eines Tieres (durch das Neugeborene oder einen Menschen) den Abgang der Nachgeburt, da das bei der Euterstimulation ausgeschüttete Oxytocin Kontraktionen bewirkt.
Den Menschen steht die Biestmilch der Nutztiere vor allem dann zu Verfügung, wenn ein Tier eine Fehlgeburt gehabt hat. In den Handel darf die Milch in den ersten Tagen (nach Schweizer Recht in den ersten acht Tagen) nicht als „Milch“ geraten, allenfalls als „Biestmilch“.

Inhaltsstoffe:
Die Zusammensetzung des Kolostrums hängt – wie diejenige jeder Milch – von der Tierart und auch von der Ernährung ab.
Proteine, unter ihnen eine große Menge Immunoglobuline und Laktalbumin, Leukozyten, Vitamin A, Vitamin E, Vitamin C, Carotine, Enzyme, Phosphor, Zink.
Der Protein- und Mineraliengehalt sind im Verhältnis zur gewöhnlichen Milch erhöht, der Laktosegehalt erniedrigt. Der Fettgehalt ist je nach Art erhöht oder erniedrigt:
Frauenmilch (Kolostrum / reife Milch):
-
- 2,7-4% / 1,2-1,5 % Proteine,
- 1,9-3% / 3-3,5% Fett,
- 5,3-6,5% / 6,5-7% Laktose.
Kuhmilch (Kolostrum / reife Milch):
-
- 14-17% / 3-4% Proteine,
- 4-7% / 3,3-5,3% Fett,
- 2,6% / 4,6-5% Laktose.
In den ersten 12 Stunden sind die Immunfaktoren am höchsten.

Zubereitungen:
Das Kolostrum als solches, vor allem für das Neugeborene.
Zubereitungen wie bei jeder anderen Milch.
In Finnland wird Käse aus Kolostrum gehandelt.
Beim Kochen gerinnt Kolostrum zu einer recht festen Masse.
Pharmazeutische Präparate.
Warnungen und Gegenanzeigen:
Biestmilch aus einem entzündeten Viertel (oder, je nach Tierart, einer entzündeten Hälfte) darf dem jungen Tier nicht verabreicht werden.
Bei der Nutzung des Kolostrums zum menschlichen Konsum müssen die Gegenanzeigen der Milch berücksichtigt werden, so enthält Kolostrum Laktose, wie wir oben bei den Inhaltsstoffen gesehen haben.
Namen in anderen Sprachen:
(en., fr.) colostrum, (port., it.) colostro, (span.) calostro, (surselv.) cuol, latg cuol, (ru.) молозиво


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