Mistel (Viscum album; Santalaceae; früher: Loranthaceae)

Die Mistel ist eine halbschmarotzerisch auf Bäumen lebende Pflanze. Sie parasitiert auf den Zweigen verschiedener Gehölze und saugt von ihnen Wasser und Nährstoffe. Assimilate kann sie selber erzeugen, sie ist autotroph. In Europa findet man sie vom Süden Skandianviens bis ins Mittelmeergebiet.
Es gibt verschiedene Misteln, die je nach Autor als Unterarten oder eigene Arten gewertet werden und neuerdings der Familie der Sandelholzgewächse (Santalaceae) zugerechnet werden:
- Laubholz-Mistel (Viscum album subsp. album; Synonym: Viscum album) auf Pappeln, Weiden, Apfelbäumen u. a.;
- Tannen-Mistel (Viscum album subsp. abietis; Synonym: Viscum abietis) auf Weißtannen;
- Kiefern-Mistel (Viscum album ssubsp. austriacum; Synonym: Viscum laxum) auf Kiefern.
Die submediterrane Eichenmistel (Loranthus europaeus) ist entfernter verwandt und wird nach wie vor in der Familie der Riemenblumengewächse (Loranthaceae) geführt.
Blätter und Zweige werden medizinisch genutzt, dürfen aber nicht unbedarft verwendet werden. Die Früchte sind bei innerer Anwendung auf jeden Fall zu meiden.
Ethnobotanik:
Seit dem Altertum werden der Mistel magische Kräfte zugeschrieben. Die Druiden nutzten sie in ihren Tränken. Man sah sie als Allheilmittel und als Gegengift bei Vergiftungen an.
Genutzte Teile:
Blätter und Zweige.
Inhaltsstoffe:
Cholin, Acetylcholin, Manitol, Gerbstoffe, Saponine, Vitamin C, Viscotoxine.
Gesundheitswert:
Die Mistelblätter und -zweige reduzieren den Wanddruck der Adern und wirkt dadurch gefäßerweiternd; traditionell wird sie zur Erniedrigung des Blutdrucks verwendet; die Wirkung ist aber nur für intravenöse Anwendung belegt.
Außerdem wirken sie immunstimulierend, herztonisch, entzündungshemmend und blutstillend.
Sie werden gegen schmerzhafte Geschwüre verwendet.
Zumindest die Tannenmistel hat antibakterielle Wirkung gegen Staphylococcus aureus und Escherichia coli sowie fungizide Wirkung gegen Candida albicans.
Es haben sich verheißungsvolle Wirkungen gegen gewisse Tumore gezeigt, was die traditionelle Anwendung gegen Krebs bestätigt.

Zubereitungen:
Mazeration (nicht erhitzen): zwei bis vier Teelöffel pro Tasse, die ganze Nacht mazerieren lassen und morgens trinken; bei oraler Aufnahme nur nach längerer Anwendung wirksam.
Pulver: 1 g pro Tag.
Breiumschläge aus den Blättern gegen den Schmerz von Geschwüren.
Warnung und Gegenanzeigen:
Die Beeren sind sehr giftig und dürfen keinesfalls innerlich angewandt werden.
Die ganze Pflanze ist durch Viscotoxine giftig, so muss man vor jeder inneren Anwendung einen Experten zu Rate ziehen.
Man darf die Mistel nicht in Schwangerschaft oder Stillzeit nutzen.
Namen in anderen Sprachen:
(in.) mistle, (pt.) visco, (span.) muérdago, (fr.) gui, (it.) vischio, (ru.) омела

Externe Links:
Wirkung einer Mistelzubereitung auf Tumore (englisch)
Mistellektine gegen Tumore (englisch)


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