Hexerei

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Tollkirsche

Mit der Hexerei bewegen wir uns auf unsicherem Terrain, das gewöhnlich mit vielen Emotionen behandelt wird und sich auf Ideologien gründet. So ist es schwer, etwas Objektives zu sagen.

In manchen Kulturen bezeichnet man als Hexer diejenigen Heiler, die man für böse hält. So sagt ein Heiler oder Schamane das über einen Konkurrenten. Aber das soll uns hier nicht näher interessieren.

Im späten Mittelalter und vor allem in der frühen Neuzeit gab es in Europa viele Frauen, die angeklagt wurden, Hexen zu sein, und deshalb verbrannt oder anderweitig getötet wurden. Über den Hintergrund gibt es unterschiedliche Meinungen, und jeder Fall war anders. In vielen Fällen war nicht mehr nötig als eine bloße Denunziation, damit eine Frau, seltener ein Mann, als Hexe hingerichtet wurde.

Gemäß einer durch feministische Kreise bekannt gemachten Meinung war die Hexenjagd eine Folge der Angst der Männer vor eine Organisation der Frauen. Und es ist anzunehmen, dass es tatsächlich Treffen von Frauen mit viel Wissen gab.

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Weißes Bilsenkraut

Was war denn nun das Wissen der Hexen? Sicher kannten sich viele mit Heilpflanzen aus. Das kann Angst erzeugen, denn wer von Heilpflanzen weiß, hat auch Kenntnisse, um anderen mittels Giftpflanzen Schaden zuzufügen. Deshalb wurden den Hexen viele Giftpflanzen zugeschrieben, wie wir gleich sehen. In manchen Fällen kann man die Glaubhaftigkeit der Zuschreibungen in Frage stellen.

Man sagte, die Hexen würden auf Besen durch die Luft fliegen. Es ist bekannt, dass die Tropanalkaloide einiger Nachtschattengewächse Halluzinationen vom Fliegen erzeugen. Über die Nutzung solcher Pflanzen, der so genannten Hexenpflanzen, gibt es viele historische Dokumente. Erwähnt werden Bilsenkraut, Tollkirsche, Alraune und Stechapfel.

Der Körper resorbiert diese Halluzinogene durch die Haut, deshalb wurden sie in Form von Salben genutzt, in welcher Form sie besser dosierbar sind als beim Schlucken. Die Grundlage der Salben war zumindest teilweise Schweineschmalz. Nach historischen Dokumenten wurden auch Kröten in den Salben verarbeitet. Da Kröten Halluzinogene enthalten, mag das plausibel erscheinen. Bisweilen wird auch die Nutzung des Fliegenpilzes durch Hexen behauptet, in den historischen Dokumenten kommt er indes nicht vor. Eine Erklärung der Nutzung von Besen ist heute, sie haben Besenstiele genutzt, um sich die Salben in die Vagina zu reiben.

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Frucht des Gewöhnlichen Stechapfels

Andere Pflanzen, die in historischen Dokumenten genannt werden, sind Fingerhut, Kalmus, Eisenhut und Schierling. Da jede Frau, die sich mit Heilpflanzen auskannte, besondere Gefahr lief, als Hexe zu gelten, ist es möglich, dass manche der genannten Pflanzen einfach als Heilpflanzen verwendet wurden. Es kann auch ein Ausdruck von Angst gewesen sein, dass Hexen jemanden mit diesen Pflanzen vergiften wollten. Auch die Verwendung von Fledermausblut und Kinderfett findet sich in Berichten, zumindest das Letztere (Kannibalismus) ist sicher üble Nachrede.

Heute gibt es Gruppen, die sich in der Tradition der Hexen sehen, nicht nur Frauen. Nicht alle Gruppen nutzen Halluzinogene, manche wohl.

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