Gerste (Hordeum vulgare; Poaceae)

Gerste ist ein einjähriges Gras, das im Vorderen Orient domestiziert wurde und heute in den gesamten gemäßigten Zonen und auch im Mittelmeergebiet als Getreide angebaut wird. Es gibt die Varietäten Vierzeilige und Sechszeilige Gerste sowie die als eigene Art ausgegliederte Zweizeilige Gerste (Hordeum distichon).
Die Früchte (Körner) werden zum Essen verwendet.
Zweizeilige Gerste nutzt man oft zur Bereitung von Bier.
Das Stroh wird u. a. in der Biokonstruktion genutzt.
Inhaltsstoffe:
Stärke, Proteine, Ballaststoffe, wenig Fett, Alkaloid Hordenin (Dimethyltyramin); Calcium, Kalium, Magnesium, Phosphor, Eisen.
11% Proteine, 2% Fette, 56% Stärke, 11% Ballaststoffe.
Es gibt widersprüchliche Aussagen zur Frage, ob Gerste Gluten enthält. Ein Brauer, der Gerste in ein Labor gegeben hatte, bestätigte mir, dass sie Gluten enthält. Kurz zuvor sagte mir ein Bäcker, sie enthalte keines. Offenbar irrte er sich, das Gluten der Gerste ist nicht dasselbe wie das in Weizen und Roggen und ist nicht so brottauglich.

Gesundheitswert:
Gerste ist nahrhaft.
Wegen ihres Mineraliengehaltes ist sie remineralisierend.
Die Stärke erweicht die Magen- und Darmschleimhäute und hilft so gegen Magenschmerzen und Magen- und Darmentzündungen.
Insgesamt regelt Gerste die Verdauung, sodass man sie sowohl gegen Durchfall als auch gegen Verstopfung nutzt.
Gerstenmalz (oder ein Extrakt desselben) hilft gegen Katarrhe der Atemwege.
Gerste ist zudem harntreibend.
In äußerer Anwendung gibt man sie auf Abszesse, Insektenstiche und Hautentzündungen.

Zubereitungen:
Die Körner als Getreide in verschiedenen Zubereitungen, wie Brei, Flocken, gepufft; viele Rezepte, die du mit Reis findest, kannst du statt dessen ebenso gut mit Gerste machen. In Gebieten, wo Gerste lokal zu bekommen ist, Reis nicht, ist das empfehlenswert.
Gekeimte Gerste.
Absud der Körner: 100 g pro Liter Wasser.
Brei aus Gerstenmehl oder -flocken mit Wasser oder (vor allem für kleine Kinder) Milch.
Malz, auch zum Brauen von Bier und Whisky und für kaffeeartige Aufgussgetränke („Malzkaffee“).
Brot aus Gerstenmehl (wenig üblich und nicht so leicht zu machen).
Gerstenkeimöl.
Mehl zur äußeren Anwendung in Umschlägen.
Bier aus Zweizeiliger Gerste.
Der beim Bierbrauen anfallende Treber als Viehfutter.

Gegenanzeigen und Warnungen:
Menschen mit Glutenunverträglichkeit müssen mit der Gerste vorsichtig sein: Gerste enthält zwar Gluten, aber nicht alle mit Intoleranz gegen Weizen- und Roggengluten sind auch intolerant gegen Gerstengluten; allerdings wird Gerste meist in denselben Fabriken bearbeitet wie Wezien und Roggen und ist damit bei absoluter Unverträglichkeit ungeeignet.
Im Fall von Krankheiten wie multipler Sklerose und gewissen Krebsarten wird empfohlen, Getreide zu reduzieren oder gar ganz zu meiden.
Bei Bier gelten selbstverständlich die Gegenanzeigen des Alkohols.
Anbau:
Gerste gedeiht auf leichten und armen Böden.
Sie verträgt Kälte und Nässe recht gut (aber Nässe nicht so gut wie Hafer).
Es gibt Sorten, die man im Herbst sät (Wintergerste), und solche, die man im Frühjahr sät (Sommergerste).

Namen in anderen Sprachen:
(en.) barley, (pt.) cevada, (span.) cebada, (fr.) orge, (it.) orzo, (ru.) ячмень, (lat.) HORDEVM
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