Hafer (Avena sativa; Poaceae)

Hafer ist ein einjähriges Kraut mit den Früchten in einer Rispe. Er stammt aus dem Vorderen Orient und wurde nach Europa vermutlich zunächst als Unkraut eingeführt und dann in Kultur genommen. Die Wildform ist der Wind- oder Flughafer (Avena fatua), dessen Körner wegen geringer Größe als Getreide wenig ergiebig sind.
Heute ist er ein wichtiges Getreide. Die Früchte (Körner) essen wir, etwa in Form von Flocken.
Auch dient Hafer als Tierfutter, etwa für Pferde, Ziegen oder Geflügel. Bisweilen baut man ihn gleich als Hafer-Erbsen-Gemisch an, um die Mischung an die Tiere zu verfüttern. Als Kraftfutter darf er bei Wiederkäuern und Pferden nur in begrenzter Menge verfüttert werden.
Das Stroh nutzt man als Einstreu im Stall.
Das Kraut, das Mehl der Körner und das Stroh werden auch medizinisch genutzt.
Inhaltsstoffe:
Körner, Stärke, Protein, Fett, lösliche und unlösliche Ballaststoffe, Vitamin E, Kobalt, Kupfer, Eisen.
13% Protein, 7% Fett, 60% Stärke, 6% Ballaststoffe.
Blätter: Siliciumsalze, Carotinoide.

Gesundheitswert:
Als Getreide ist der Hafer sehr nahrhaft und remineralisierend, er gilt als ein ziemlich ausgewogenes Nahrungsmittel.
Die Ballaststoffe wirken gegen Verstopfung.
Hafer wirkt reinigend auf den Verdauungsapparat.
Er wirkt beruhigend und gegen Schlafstörungen und Nervosität. Bei Pflanzenfressern wie dem Pferd wirkt er dagegen anregend.
Er wirkt gegen Bluthochdruck.
Bei Müdigkeit wirkt er tonisierend.
Das Vollkorn ist harntreibend.
Äußerlich wird er gegen Ödeme und Ekzeme eingesetzt.
Die Blätter wirken gegen Pilze und Entzündungen.
Das grüne Kraut nutzt man gegen Müdigkeit und Rheuma.
Das Stroh nimmt man bei Hautentzündungen.
Die Flocken in äußerer Anwendungen, etwa als Zutat in Seife, dienen dem Peeling.

Zubereitungen:
Gekochte Körner in verschiedenen Zubereitungen.
Haferflocken, verbreitet als Grundlage für ein Müesli, auch einfach mit Joghurt.
Haferkleie.
Absud des Kornes: 25 g pro Liter, eine halbe Stunde kochen.
Hafermehl, in der Medizin auch äußerlich: in Wasser gekocht als Umschlag.
Im 16. Jahrhundert machte man Haferbier.
Tee aus dem Kraut: 1 Bund auf 1 l Wasser, dreimal aufkochen lassen und jedesmal abkühlen lassen, bei Fieber.
Absud aus dem Stroh: 100 g auf 3 l, 20 Minuten kochen lassen, danach den Absud dem Badewasser beifügen.
Mehl in Gesichtsmasken.
Haferflocken in Peeling-Seifen.
Warnungen und Gegenanzeigen:
Rohe Getreide sind für den menschlichen Konsum nicht geeignet. Käufliche Haferflocken sind erhitzt. Wer eine Flockenquetsche nutzt, sollte das auch tun.
Bei Zöliakie und anderen Glutenintoleranzen wird Hafer im Allgemeinen nicht empfohlen; obwohl er von Natur aus kein Gluten enthält, wird er zumeist in Einrichtungen verarbeitet und verpackt, in denen auch Getreide mit Gluten verarbeitet werden; in der letzten Zeit gibt es Unternehmen, die Hafer ohne Gluten garantieren.
Bei gewissen Krankheiten wie Autoimmunkrankheiten und Krebs wird empfohlen, den Getreidekonsum einzuschränken oder Getreide ganz aus der Ernährung zu streichen.
Bei Anämie wird empfohlen, das Korn ohne Kleie zu verwenden (also kein Vollkorn), da die Kleie die Eisenresorption hemmt.
Wenn man Hafer als Futter für Pflanzenfresser nutzt (wie Pferde oder Ziegen), muss man die Dosis einschränken, denn Pflanzenfresser können von zu viel Stärke Koliken bekommen, Ziegen sterben leicht daran.

Anbau:
Hafer verträgt mehr Feuchtigkeit als Weizen und Gerste und gedeiht auch in kalten Gegenden.
Man sät ihn im Frühling.
Namen in anderen Sprachen:
(en.) oat, (pt.) aveia, (span., it.) avena, (fr.) avoine, (surselv.) aveina, (ru.) овёс, (lat.) AVENA

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