Wertvolles > Ressourcen > Honig

Lange bevor das Zuckerrohr nach Europa und Amerika gelangte, wurde Bienenhonig zum Süßen genutzt.
Willst du Honig machen, musst du von Blüte zu Blüte fliegen, zu 10.000.000 Blüten für 1 kg Honig. Dazu musst du 150.000 km reisen. Falls du ein Mensch bist, hast du für diese Entfernung einen immensen Energiebedarf. Diese Reise lohnt sich also für Menschen nicht. Wenn du eine Biene bist, wirst du es mit deinen Schwestern hinkriegen. Bist du selber keine Biene, kannst du Bienen halten, die es für dich tun. Ein starkes Bienenvolk trägt jährlich über 200 kg Nektar ein und macht daraus über 70 kg Honig. Etwa ein Fünftel nimmt man ihnen als Imker weg.
Nicht alle Bienen produzieren Honig, aber es sind doch mehr Arten als nur die Honigbiene. Andere sozial lebende Bienen wie etwa die Hummeln (Bombini) und in Südamerika die Stachellosen Bienen (Meliponini) erzeugen ebenfalls Honig, der v. a. wild geerntet wird. Hummeln haben den praktischen Nachteil, dass sie keine Waben, sondern einzelne kleine Behälter bauen, die man nicht schleudern kann. In kleinem Maßstab zum Eigenkonsum sind sie eventuell nutzbar.

Die Bienen sammeln Nektar von den Blüten sowie Ausscheidungen von Blattläusen, den Honigtau. Tannenhonig, Waldhonig und Eichenhonig sind Beispiele von Honigsorten, die nicht aus Nektar, sondern aus Honigtau entstehen. Windbestäubte (anemophile) Pflanzen wie Tanne, Fichte und Kiefer bieten keinen Nektar.
Besonders bei Trockenstress und bei Vorherrschen der Großen Schwarzen Fichtenrindenlaus enthält der Waldhonig einen hohen Anteil an Melezitose, einem Dreifachzucker (Trisaccharid) aus zwei Teilen Glukose und einem Teil Fruktose. Dieser Honig ist als Melezitosehonig oder Zementhonig bekannt. Er kristallisiert schnell und lässt sich ab etwa 10 % Melezitose nur noch schlecht oder gar nicht mehr schleudern. Genießen kann man ihn immer noch. Man kann ihn aber auch in den Waben lassen, damit die Bienen ihn (unter Massenverlust) in gewöhnlichen Honig mit hohem Anteil Monosacchariden umwandeln.
Die Bienen entziehen dem Nektar und dem Honigtau einen großen Teil des Wassers, invertieren den größten Teil der Saccharose (Invertzucker: Mischung aus Glukose und Fruktose) und fügen Enzyme hinzu.
Um Honig von Hummeln zu bekommen, kann man Hummelstöcke in ein Gewächshaus mit Tomaten hängen. Der beste Bestäuber dieser Pflanze ist die Erdhummel. Am Ende der Saison kann man den Honig aus den Kisten nehmen. Allerdings kann man die Hummelnester mit Honig nicht schleudern, daher ist er kaum im großen Stil nutzbar.
Wichtige Nektartrachten für Honig sind: Linde, Löwenzahn, Raps, Thymian (auch Kopfthymian), Phacelia, Heidekraut.
Inhaltsstoffe:
Fruktose, Glukose, Saccharose, Maltose, Wasser, Vitamine, Enzyme, Mineralien, auch etwas Pollen.
Im Waldhonig ein gewisser Anteil Melezitose, bei einem Anteil über 10 oder gar 20 % problematisch.
Eiweiße stammen aus dem Pollen, den die Arbeitsbienen anbringen, finden sich daher nur in Blütenhonig, nicht in Honigtauhonig.
Die Zusammensetzung hängt von der Pflanze ab; so enthält der Honig der Robinie („Akazienhonig“) und der Kastanie mehr Fruktose als Glukose, derjenige von Raps und Löwenzahn dagegen mehr Glukose.

Gesundheitswert:
Honig ist sehr energetisch, süßt und reinigt das Blut.
Er fördert die Verdauung. Die Glukose wandert schnell ins Blut und gibt Energie: Fruktose und Acetylcholin regen den Kreislauf, die Herztätigkeit und die Darmperistaltik an. Man verwendet ihn gegen Magengeschwüre.
Zudem ist Honig auswurffördernd und wird bei Erkrankungen der Atemwege wie Husten verwendet.
Bei äußerer Anwendung ist Honig antiseptisch und wundheilend, auch bei Akne oder Verbrennungen; wenn man ihn in eine Wunde gibt, desinfiziert er sie, so reibt man auch wunde Zitzen mit Honig ein.
Der Wert des Honigs hängt auch von der Art der Tracht ab.

Zubereitungen:
Honig in einem Getränk (nicht allzu heiß): Milch, Kräutertee, Tee, Kaffee, Saft.
Honig als Süßungsmittel verschiedener Nachspeisen, auch im Müesli.
Brotschnitte mit Butter und Honig oder auch mit Käse und Honig.
In Wasser vergorener Honig ist Met (Honigwein); wer die Gesundheitswirkungen des Honigs haben will, aber nicht den Zucker, kann ihn vergären lassen (auch etwa in Kombucha).
Honig als Lösungsmittel für wasserlösliche Stoffe, z. B. in Form von Sirup.
Zutat in Kosmetika, darunter verschiedene Gesichtsmasken.
Gegenanzeigen und Warnungen:
Für Kleinkinder von weniger als 18 Monaten kann Honig schädlich sein, da er Sporen des Botulismuserregers in den Magen bringen kann (der in diesem Alter noch nicht genug Flora und Säuren hat, um diese Erreger zu kontrollieren); für Erwachsene nur problematisch, wenn der Magen zu wenig Säure hat.
Wegen der großen Menge an Glukose müssen Diabetiker ihren Honigkonsum kontrollieren.
Wegen seiner klebrigen Konsistenz klebt Honig mehr an den Zähnen als trockener Zucker; um Schäden an den Zähnen zu verhindern, nimmt man ihn in einer Flüssigkeit gelöst oder man trinkt nachher ein heißes Getränk, um den Honig von den Zähnen zu entfernen.
In einigen Gegenden (Türkei, Neuseeland, Japan …) gibt es Pflanzen, deren Honig giftig ist, so muss man sicherstellen, dass der Bienenhonig nicht von diesen Pflanzen ist. Einige Heidekrautgewächse enthalten das giftige Acetylendromedol, das in den Honig übergeht. Im Honig bestimmter Nachtschattengewächse wurden Tropanalkaloide gefunden, die den Honig halluzinogen machen.
Wird Honig über 42 ºC erhitzt, verliert er viel von seinem Gesundheitswert; so ist wegen seiner Heilwirkungen eher roher Honig angesagt; auch der alte Rat, heiße Milch mit Honig zu trinken, muss relativiert werden.
Melezitosehonig darf man den Bienen nicht als Winternahrung lassen, da er zu Durchfall führt; Waldhonig ist da überhaupt problematisch.

Namen in anderen Sprachen:
(en.) honey, (port.) mel, (span., fr.) miel, (surselv.) mèl d’aviuls, (it.) miele, (ru.) мёд, (lat.) MEL

Share this content: