Klimawandel und Klimaschutz

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Lokale Produkte aus Eigenanbau sind klimafreundlich

Heute wird viel von Klimawandel und Klimaschutz gesprochen. Vieles ist ideologisch, und vieles wird für kommerzielle Zwecke verfremdet. Schauen wir uns mal die Fakten an.

Es gibt seit Bestehen der Erde einen natürlichen Klimawandel, ohne Zutun der Menschen. Diese Tatsache ist aber – entgegen einem verbreiteten Vorurteil – kein Beweis dafür, dass es nicht auch eine menschengemachte Komponente im Klimawandel gibt.

Während in den 1980er Jahren der menschengemachte Klimawandel noch umstritten war, ist heute unter einschlägigen Naturwissenschaftlern unbestritten, dass menschliches Wirken zum globalen Temperaturanstieg führt.

Seit den „Fridays for Future“ wird der Klimawandel vielfach als das einzige ökologische Problem wahrgenommen. Biodiversitätsverlust, Verseuchung der Ozeane und radioaktive Strahlung (um nur wenige Beispiele zu nennen) werden umso mehr verdrängt. Das ist nicht denjenigen anzulasten, die sich für Klimaschutz engagieren, wohl aber den einseitig berichtenden Medien.

Die menschenverachtende AfD leugnet den menschengemachten Klimawandel, auch mithilfe des AfD-nahen „Europäischen Instituts für Klima und Energie“ (EIKE). Nun obliegt die Antwort auf die Frage nach dem menschengemachten Klimawandel aber nicht der Politik und ist somit nicht von Mehrheitsentscheidungen abhängig, sondern sie obliegt den Wissenschaften, konkret der Klimatologie und ihren Nachbardisziplinen. Und die strafen die AfD-Propaganda Lügen.

Alternative, wissenschaftswidrige Erklärungsmodelle des Klimawandels kommen vom Lifestyle-Boulevardblatt Öko-Test und der GLS Bank: Ersteres gibt den Wiederkäuern die Schuld am Klimawandel; das hat zwar einen wahren Kern, trifft aber so nicht zu. Letztere sieht die Hauptschuld bei den atmenden Tieren; das hat nicht einmal einen wahren Kern, sondern ist schlichtweg gelogen. Wenn die AfD der Sonne die Schuld am Klimawandel gibt, ist das zumindest nicht gelogen, denn die Sonnenaktivität hat tatsächlich einen Einfluss auf die irdische Klimaentwicklung.

Dass der Mensch der Atmosphäre Gase wie Kohlenstoffdioxid und Lachgas hinzufügt, ist eine Tatsache. Und dass diese einen Treibhauseffekt bewirken, ist aus Messungen hinlänglich bekannt. Der Effekt lässt sich ziemlich genau quantifizieren. Wer den menschengemachten Klimawandel heute noch leugnet, tut das als Verdrängungsmechanismus, um nicht sein Konsumverhalten hinterfragen zu müssen.

In der Boulevardpresse wird dem von Tieren (einschließlich des Menschen) ausgeatmeten Kohlendioxid eine Klimarelevanz zugesprochen. Das ist Vorschulniveau. Schon in der Grundschule haben wir gelernt, dass dieses Kohlendioxid (CO2, fachsprachlich: Kohlenstoffdioxid) Teil eines Kreislaufs ist. Somit steigt der CO2-Gehalt in der Atmosphäre durchs Atmen nur momentan ein wenig an.

Klimarelevant ist das CO2, das von fossilen Brennstoffen freigesetzt wird, etwa im motorisierten Verkehr, und das nicht nur, wenn wir selber mit Flugzeugen und Autos unterwegs sind, sondern auch wenn wir Güter mit langen Transportwegen konsumieren. Auch manche Formen der Lagerung beruhen auf fossilen Brennstoffen und setzen CO2 frei.

Leider sind die Vielfliegerei, die Lieferung extrem klimaschädlicher Waffen und eine extravagante Ernährung besonders unter Grünenpolitikern und deren Wählern beliebt. Das kann keinen Vorbildcharakter für andere haben.

Die Diskussion um den Klimawandel konzentriert sich oft allzu einseitig auf Kohlenstoffdioxid. Vielfach stärker klimaaktiv ist Lachgas (N2O). Es entsteht beispielsweise bei der intensiven Düngung von Äckern.

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Schafweiden sind nicht nur Hotspots der Biodiversität, sondern auch Kohlenstoffspeicher

Auch stärker klimaaktiv als CO2, aber weniger als Lachgas ist Methan, das sich im Gegensatz zu Lachgas nach 10-12 Jahren abbaut. Es entsteht in Mooren, Reisfeldern und dem Verdauungstrakt von Termiten und Wiederkäuern. Deshalb gibt es in der Konsumgesellschaft eine Tendenz, den bösen Wiederkäuern die Schuld am Klimawandel zu geben. Zum Glück schrieb Anita Idel das Buch „Die Kuh ist kein Klima-Killer!“, das im deutschen Sprachgebiet jeder ernsthaft an Klimaschutz interessierte Mensch kennt. Darin zeigt sie auch den Wert der extensiven Weidewirtschaft zum Klimaschutz auf, den ich auch in meinem Buch „Naturschutz auf dem Teller“ anspreche. Diesen Wert der Weidewirtschaft behandeln wir auch in der Gruppe, die das Internationale Hirtenjahr 2026 vorbereitet.

Noch stärker als Methan und Lachgas trägt das Insektizid Sulfurylfluorid zum Treibhauseffekt bei.

Was können wir gegen den menschengemachten Klimawandel unternehmen? Klar ist, dass Schuleschwänzen, Demonstrieren und Straßeblockieren dem Klimaschutz keinen Nutzen bringt. Das heißt nun nicht, dass Demonstrieren grundsätzlich sinnlos wäre, sondern dass es nur Sinn hat, wenn die Demonstrierenden im Alltag so leben, dass sie Vorbildcharakter haben können. Straßen zu blockieren, erzeugt nur Hass, damit erschwert man die Akzeptanz des Klimaschutzes und spaltet die Gesellschaft. Viele Aktionen dienen letztlich weniger dem Klimaschutz als vielmehr der Kreation einer Gruppenidentität mit Schuldzuweisungen an die „anderen“. So stößt man die breiten Massen eher ab.

Ein paar Dinge, die jeder einzelne von uns im Alltag tun kann:

  • Flugzeuge und Kreuzfahrtschiffe meiden, möglichst wenig Auto fahren, mehr auf öffentliche Verkehrsmittel und Fahrrad setzen,
  • das Essen mehr wertschätzen, schwerpunktmäßig lokale Produkte der Saison konsumieren und mit den Erzeugern sprechen, um zu lernen,
  • industriell erzeugte und verarbeitete Lebensmittel meiden zugunsten kleinbäuerlich erzeugter und möglichst naturbelassener bzw. handwerklich verarbeiteter Lebensmittel,
  • weniger Plastik, mehr Holz, Leder, Wolle und Hanf nutzen,
  • Produkte wie Palmöl und Avocados meiden, für die große Urwälder abgeholzt werden,
  • bei Tierprodukten solche wählen, die mit möglichst wenig – im Idealfall ganz ohne – Kraftfutter erzeugt wurden,
  • allgemein sparsam sein mit elektrischer und fossiler Energie,
  • die extensive Weidewirtschaft durch den Kauf ihrer Produkte unterstützen.

Öfters wird gesagt, dass man Bäume pflanzen soll. Das Thema ist zu komplex, um es hier umfassend darzustellen. Bäume speichern für die Zeit ihrer Existenz Kohlenstoff, den sie der Atmosphäre entziehen. Bäumepflanzen kann nicht die Verwendung fossiler Brennstoffe kompensieren, es kann Bäumefällen kompensieren, und das geschieht in der Forstwirtschaft seit Jahrhunderten. Nun ist aber unter allen Klimainteressierten bekannt, dass extensives Weideland mindestens ebenso viel Kohlenstoff speichert wie Wald, und zwar mehrheitlich in den Wurzeln, während Wald ihn mehrheitlich oberirdisch speichert. Deshalb ist es logisch, dass die Unterstützung naturnaher Weidewirtschaft unveräußerlicher Teil jeden Klimaschutzes ist.

Leider wird die Klimadiskussion stark von Industrieinteressen beherrscht, die ihr die Glaubwürdigkeit nehmen. So ist es nicht verwunderlich, wenn manche Laien glauben, der ganze Klimawandel sei nur aus kommerziellen Interessen erfunden worden. Hier wäre es eine Aufgabe einer seriösen Klimaschutzbewegung, sich klar von kommerzieller Vereinnahmung zu distanzieren. Diese Distanzierung ist leider kaum zu beobachten. So ist der Verdacht nicht unbegründet, die Klimabewegung sei eine industrielle Interessenvertretung.

Windkraftanlagen-300x223 Klimawandel und Klimaschutz
Windkraftanlagen lösen nicht alle Klimaprobleme und sind auch nicht ganz unproblematisch

Oft wird das Elektroauto als klimafreundlich beworben. Zu dem Thema habe ich Artikel in Fachzeitschriften publiziert. Wenn es sauber erzeugte Elektroenergie im Überfluss gäbe, wären Elektroautos im Gebrauch (nicht aber in der Herstellung) klimaneutral. Das ist aber auf absehbare Zeit ein hehrer Traum. Das Problem hierbei ist, dass viele ihr Elektroauto für klima- und umweltfreundlich halten und deshalb unbesorgter fahren. In populistischen Darstellungen wird das Elektroauto bisweilen nicht nur als klimaneutral, sondern gar als gut fürs Klima beworben, was natürlich höherer Blödsinn ist.

Wo die Industrie das Sagen hat, werden auch Ernährungslehren als Heilsbringer für das Klima gehandelt. Wenn man der Margarineindustrie glaubt, ist neuerdings Butter besonders klimaschädlich, nachdem sie ein paar Jahrzehnte besonders ungesund war. Laut Imitateindustrie sind neuerdings die Tierprodukte überhaupt klimaschädlich, nachdem die Menschheit sie zwei Millionen Jahre genutzt hat, und man sollte zum Klimaschutz lieber auf synthetische Nachahmungen zurückgreifen und die Tierprodukte vergammeln lassen.

Deren Werbeagenten zitieren bisweilen Studien, die zeigen, dass rein pflanzliche Ernährung klimafreundlicher ist als rein tierische Ernährung. Wie isoliert von der realen Menschheit muss man leben, um die Vielfalt der Ernährungsweisen auf diese beiden Optionen herunterzubrechen? Es ist leicht, mit Statistiken zu lügen. Das geschieht überall, wo Produkte aus extensiver Weidewirtschaft stillschweigend mit Produkten aus Intensivtierhaltung als Einheit behandelt werden.

Tatsache ist, dass jede an einer Lehre ausgerichtete Ernährung (Makrobiotik, Vegetarismus, Rohkost …) je nach Auswahl der Produkte relativ klimafreundlich, aber auch sehr klimaschädlich sein kann. Das ist einfach kein relevantes Kriterium. Das Problem ist, dass viele Lehrenanhänger nichts fürs Klima tun, weil sie sich in ihrer Blase einbilden, ihre hippe Ernährung wäre schon ein ausreichender Schritt zum Klimaschutz. Den Anhängern von Ernährungslehren geht es immer in erster Linie ums Rechthaben. Insbesondere Anhänger galaktophobischer Lehren strotzen oft vor Selbstgerechtigkeit, und das ist im Klimadiskurs kontraproduktiv.

Jedenfalls hängt jede an einer Ideologie ausgerichtete Ernährung von mehr Nahrungstransporten ab und ist mehr Ressourcenverschwendung als eine an lokaler und saisonaler Verfügbarkeit ausgerichtete Ernährung. Letzteres sollte im klimabewussten Konsum Standard sein. Ernährungslehren sind ein Symptom der entfremdeten Überflussgesellschaft, die das Essen nicht mehr wirklich wertschätzt.

Zudem boykottieren speziell die Vegetarier und Galaktophobiker – gemeinsam mit den Billigfleischkonsumenten – die Weidewirtschaft. Während die Hirten Klimaschutz in der Praxis betreiben, fallen diese Leute ihnen in den Rücken. Alle Ernährungslehren dienen bekanntlich der Abgrenzung zwischen „uns“ und „den anderen“. Zu den „anderen“ gehören aus der Sicht vieler selbsternannter Klimaschützer ganz undifferenziert die Nutztierhalter, damit auch die für den Klimaschutz aktiven Schäfer.

Der Glaube, eine ideologische Ernährung sei gut fürs Klima, zeugt von sozialen Defiziten, mangelnder Kommunikation mit Nahrungserzeugern, denn so einem Glauben kann man nur aufsitzen, wenn man keine Ahnung von der Praxis hat, wie Nahrungsmittel entstehen. Solche Leute nehmen das Essen und den Wohlstand allzu sehr als Selbstverständlichkeit hin. Oft verhalten sich selbsternannte Klimaschützer entsprechend hochnäsig gegenüber den Nahrungserzeugern, von deren Hände Arbeit sie leben. So lernt man natürlich nichts von der Realität, sondern bleibt in seiner Blase gefangen. Und dieses Gruppengefühl in der Blase ist oft wichtiger als lösungsbezogenes Denken in Bezug auf den Klimaschutz.

Wenn die Klimabewegung die breiten Massen erreichen will, sollte sie die Menschen nicht mit Hochnäsigkeit und einer nur für eine kleine Minderheit attraktiven Ernährungslehre abstoßen. Insbesondere die Menschen, die handeln, sollte man mit ins Boot bekommen. Und genau das gelingt der Klimabewegung bisher nicht, sie wird noch von untätigen Predigern dominiert, die den Handelnden mit Arroganz begegnen.

Ich kann hier von einer Begebenheit berichten: Ich leitete geobotanische Exkursionen. Einmal kam eine Gruppe Anhänger einer Ernährungslehre. Einige sahen sehr schwächlich aus, was schon ein Fehlen von Tierprodukten in der Ernährung vermuten lässt. Alle waren mit dem Auto gekommen. Ich dagegen war mit aller Selbstverständlichkeit mit dem Fahrrad gekommen. Würde ich mich wie diese Leute ernähren, hätte ich wahrscheinlich auch nicht die Kraft, mich mit dem Fahrrad fortzubewegen, also klimafreundlich zu leben.

Schlimm ist, dass im Namen des Klimaschutzes die heimische Landwirtschaft zugrunde gerichtet wird und deshalb immer mehr importiert werden muss. Erstens führt das zu vermehrten Transporten. Zweitens haben wir dann noch weniger Kontrolle über die Produktionsbedingungen. Und drittens kann das zur vermehrten Abholzung von Regenwäldern führen, was das Gleichgewicht des Kohlenstoffs der Biosphäre in Richtung auf mehr Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre verschiebt. Wer das Klima schützen will, muss Freihandelsabkommen wie das Mercosur-Abkommen kritisieren.

 

 

 

 

 

 

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