Ökologie > Greenwashing mit Greta Thunberg

Manche wundern sich, warum ich kritisch gegenüber Greta Thunberg bin. Ausgerechnet ich, den man dafür kennt, Ökoideale im Alltag zu leben, der ich früher den Arbeitskreis Naturschutz leitete und der ich in der biologischen Landwirtschaft arbeite, sehe diese Ikone kritisch. Aber nicht gleich interpretieren, Leute! Ich habe gar nichts gegen Greta Thunberg. Ich kann als naturverbundener Mensch nicht gegen alle Menschen etwas haben, denen der Naturbezug fehlt.
Ich gebe auch gerne zu, dass die von ihr initiierten Demos einen großen Wert hatten als soziale Ereignisse junger Menschen, die Spaß haben wollten. Dass sie die Klimaproblematik mehr ins Bewusstsein der Menschen rückte, mag man positiv bewerten, allerdings lenkt der einseitige Fokus auf dieses Thema von anderen Natur- und Umweltproblemen ab, die früher mehr Beachtung fanden.
Als ich in Greta Thunbergs Alter war, war ich sehr ähnlich wie sie heute, wollte auch die Welt mit Reden und Demonstrieren verbessern. Nur lebte ich nicht mit so einem luxuriösen Lebensstandard wie sie und hatte auch damals schon mehr Bezug zur Natur. Zum Glück hatte ich ein Umfeld, das mich nicht so hochstilisierte, sondern mir die wertvolle Möglichkeit bot, mich weiter zu entwickeln und zu lernen.
Mich stört das ganze Showbusiness um Greta Thunberg, wie sie als Galionsfigur benutzt wird, um der Konsumgesellschaft ein grünes Mäntelchen zu verleihen. Ein beliebiger Unternehmer spricht sich für Greta Thunberg aus, und schon hält man ihn für umweltbewusst, so einfach ist das heute. Leute, wir brauchen nicht noch mehr Ökomäntelchen für die Konsumgesellschaft! Nicht noch mehr Lifestyle-Ökos! Wir brauchen ernsthafte Kritik am zügellosen Konsum! Wir brauchen kein „grünes Wachstum“, sondern Entwachstum!

Wenn ihr etwas für Klima und Umwelt tun wollt, unterstützt nicht irgendwelchen snobistischen Konsum, sondern unterstützt lokale Kleinunternehmen, unterstützt die biologische und kleinbäuerliche Landwirtschaft, unterstützt die extensive Weidehaltung, fahrt im Rahmen des Möglichen Rad statt Auto, nutzt mehr Hanf, Wolle und Leder und weniger Plastik, kauft nach Möglichkeit lokale Produkte, betreibt mehr Selbstversorgung.
Würden die Schulschwänzer der „Fridays for Future“ die Zeit des Schwänzens für praktische Arbeiten in Betrieben, z. B. auf Bauernhöfen, nutzen, könnten sie etwas über die Realität lernen und sich vom wertvollen Wissen der Praktiker überzeugen. Dann würden sie die Kommunikation zwischen Praktikern und Träumern und damit auch den gegenseitigen Respekt fördern. So aber kriegen beide nur begrenzt voneinander mit. Und so sind Vorurteile auf beiden Seiten vorprogrammiert.
Überhaupt finde ich es sinnvoller, Menschen im eigenen realen Leben Wertschätzung zu zeigen, als medial aufgeplusterte bourgeoise Prominente zu verklären, denen ihr doch egal seid.
So einer Person, die weder etwas gelernt hat noch etwas tut, eine Stimme zu geben, ist eine Beleidigung für all jene, die im Alltag handeln und sich dazu umfassend informieren. Noch schlimmer ist es, etwa Luisa Neubauer eine Stimme zu geben, die von Klimaschutz schwafelt, während sie fröhlich mit dem Flugzeug um den Globus reist. Wer wirklich für Klimaschutz ist, sollte denjenigen eine Stimme geben, die ihr Leben dem aktiven Handeln verschrieben haben, z. B. den Schäfern.
Kann man Greta Thunberg nicht einfach mal Jugendliche oder Heranwachsende sein lassen, statt jeder ihrer Aussagen so viel Gewicht beizumessen? Erinnert euch, was ihr selber in der Pubertät gesagt habt! Wäre es euch recht, wenn sich die Medien so darauf gestürzt und euch darauf festgenagelt hätten?
Ich finde es widerlich, wie ihr Autismus instrumentalisiert wird. Manchmal betont jemand ihr Asperger-Syndrom mit dem Unterton: „Wagst du es, so einen Menschen zu kritisieren?“ He Leute! Darf ein autistischer Mensch nicht mal einfach Mensch sein wie jeder andere und genauso kritisiert werden? Darf ein autistischer Mensch nicht auch mal beigebracht bekommen, dass er nicht das Zentrum der Welt ist?
Mir erscheint Greta Thunberg als der Extremfall eines typischen verwöhnten Wohlstandskindes, das immer seinen Willen kriegt. Völlig unvereinbar mit meiner konsumkritischen Haltung. Das ist ganz offensichtlich nicht ihre Schuld, sondern in erster Linie die ihrer betuchten Eltern. Wie soll so ein Mensch jemals lernen, dass man nicht immer seinen Willen kriegen kann und dass andere auch ihre Bedürfnisse haben? Wie soll sie jemals lernen, dass die Welt kein Selbstbedienungsladen ist, sondern man sich etwas erarbeiten muss? Das wusste ich in ihrem Alter auch nicht. Aber ich hatte die wertvolle Möglichkeit, es zu lernen.

Symptomatisch für das ganze Showbusiness erscheint mir ihre Schifffahrt über den Atlantik. Dass sie entschieden hat, nie mehr zu fliegen, finde ich selbstverständlich gut. Und dass sie Lust hatte, mit dem Schiff den Atlantik zu überqueren, verstehe ich als Romantiker sofort. Ich habe das selber getan. Aber ich habe Schiffe genommen, die sowieso fuhren. Und ich habe mich nicht deswegen als Ökohelden feiern lassen. Das ist sehr typisch fürs Öko-Showbusiness: Die Person, die im Rampenlicht steht, kann sich nun die Hände in Unschuld waschen und sagen, sie ist nicht geflogen. Aber um ihr die Schifffahrt zu ermöglichen, sind mehrere Personen geflogen, mit dem einzigen Unterschied, dass diese eben mehr hinter den Kulissen agieren. Also insgesamt mehr Umweltverschmutzung, als wäre sie selber geflogen. Einziger Effekt des Ganzen: Imagepflege für eine im Fokus der Öffentlichkeit stehende Person. Vorbildcharakter für andere Personen kann das kaum haben, denn wir alle, die wir nicht so prominent sind, werden kaum Personen finden, die extra wegen uns über den Atlantik segeln und dann zurückfliegen. Für mich ist das Ganze ein Symptom dessen, dass es Leute gibt, die der jungen Frau jeden Wunsch erfüllen wollen, egal auf was für eine absurde Art. Da wird doch die ganze Umweltbewegung gehörig verarscht – sofern es überhaupt noch eine ernst zu nehmende Umweltbewegung gibt.
Thunberg ist Werbeagentin für Elektroautos. Hat sie sich jemals mit der Frage beschäftigt, wie man die Mengen an elektrischer Energie gewinnen soll ohne Rückfall in Atomkraft und/oder Braunkohle? Wäre es nicht sinnvoller, sich Gedanken über umweltfreundliche Alternativen zum privaten Autoverkehr zu machen?
Stimmt es, dass Greta Thunberg eine CO2-Steuer auf Fleisch fordert? So eine pauschale Forderung zeigt, dass sie den Kohlenstoffkreislauf überhaupt nicht versteht. Wenn die Forderung durchkäme, wäre das wohl das Ende der Wanderschafhaltung und des pflegenden Naturschutzes. Vielleicht auch der biologischen Landwirtschaft. Sie selber differenziert ja nicht, sondern will jede Nutztierhaltung zugrunde richten. Die großen Tierhalter aber bezahlen so eine Steuer eher aus der Portokasse oder kommen gar drum rum. Also ein weiterer Schritt in Richtung industrielle Nahrungsproduktion. Welche kommerziellen Interessen wohl hinter dem ganzen Showbusiness um die junge Frau Thunberg stehen?
Ich war in meiner Jugend Vegetarier. Das wurde toleriert, aber nicht als Heldentat gefeiert. Ich isolierte mich mit meiner Ernährung ein Stück weit, nirgends rannte ich offene Türen ein. Das war nicht wie heute, wo es Mode geworden ist, seinen Wohlstand zur Schau zu tragen, indem man betont, was man alles nicht isst. Und das war auch gut so. Später verstand ich, dass ich aus ökologischen und sozialen Gründen flexibler sein muss, statt auf meinem vegetarischen Ego zu beharren. Wenn ich mir vorstelle, die Massenmedien hätten mich damals auf den Vegetarismus festgenagelt – eine Horrorvorstellung!

Greta Thunberg ist Veganerin. Den Spaß kann man ihr ja gönnen. Vielleicht braucht sie so eine Phase extravaganter – heutzutage industriegesteuerter – Ernährung für ihre persönliche Entwicklung. Meinetwegen kann sie auch auf dem Nagelbrett schlafen und sich jeden Tag mit dem Messer eine Wunde zufügen. Das ist alles ihre Sache und geht die Öffentlichkeit nichts an, solange sie keine Erwartungen an andere daran knüpft. Es ist möglich, dem Veganismus oder dem Nagelbrett eine ökologische Funktion zuzuschreiben. Ebenso ist es möglich, zu sagen, dass die Erde flach ist und dass das Coronavirus nicht existiert. Nun adaptiert sich aber die Realität nicht an solch dummes Gewäsch. Gerade in einem Land wie Schweden mit recht begrenzten vegetabilen Ressourcen erfordert eine vegane Ernährung besonders viel Nahrungsmitteltransporte.
Als ich in Norwegen lebte, hatte ich immer ein schlechtes Ökogewissen, wenn ich Obst und Gemüse kaufte, weil sie von weit herkamen, während Ziegenkäse und Ziegenwurst sehr lokal erhältlich waren. Dann muss man sich nur noch vorstellen, jemand werbe in jener Klimazone für einen Verzicht auf Fleisch und Käse! Wie selbstsüchtig und ganz gezielt klimaschädlich! In der borealen Zone vegan zu leben, bedeutet einen gezielten Einsatz für den Temperaturanstieg. Will Thunberg, dass man bald in Schweden Oliven ernten kann?
Das Problem bei ökologischen Themen ist, dass jeder Depp mitreden will, der von Ökologie so viel versteht wie ich von Fußball, also gar nichts. Bevor man sich zu ökologischen Fragen eine Meinung bildet, wäre es nicht verkehrt, sich erst mal zu informieren über nachhaltiges Ressourcenmanagement, anthropogene Biozönosen, Heterotrophie, Nettoprimärproduktion, Nährstoffkreislauf, Kationenaustauschkapazität, oligotrophe Ökosysteme, Edaphon, Nahrungsketten, Agrobiodiversität …
Dass eine in sehr wohlhabenden Verhältnissen lebende Jugendliche, die nie für ihr Brot arbeiten musste, in ihrer Luxuswohnung mit Nahrungsressourcen umgeht, als käme das Essen aus dem Nichts, ist normal. Aber dass sie mit ihrer verschwenderischen Lebensweise als Idol hochstilisiert wird, finde ich erschreckend.
Völlig daneben finde ich, dass ihre Eltern, als das Fräulein Tochter verlangte, dass sie sich ihrer snobistischen Ernährung anschließen, untertänigst gehorchten. Tochter, befiehl, wir folgen! Würdet ihr, wenn eines eurer Kinder auf dem Nagelbrett schläft und von euch fordert, es ihm gleich zu tun, gehorchen? So züchtet man Tyrannen heran. Wie soll diese arme Heranwachsende jemals lernen, andere Menschen zu respektieren? Wer jetzt sagt, eine Autistin könne das nicht lernen, diskriminiert die Autisten. Wenn es ihr niemand beibringt, lernt sie es natürlich nicht. Also bitte, eine Jugendliche, die so große soziale Ereignisse initiiert hat, wird das wohl lernen können!

Über den Kommerz, der hinter der veganen Mode steht, habe ich mich genug geäußert, auch in „Umwelt aktuell“, das muss ich hier nicht wiederholen. Leute, wir brauchen keine industriell gesteuerte Askese, keine spielerische Kosmetik am Konsum! Wir brauchen ernsthafte Konsumkritik!
Der ganze Rummel um Greta Thunberg wird kommerziell gesteuert, keine Frage. Diese junge Frau kann einem leidtun! Nicht die Politiker haben ihr die Jugend gestohlen, sondern die Leute, die sie zum Popstar eines grün bemäntelten Konsumismus gemacht haben, allen voran ihre konsumsüchtigen Eltern.
Vielleicht sollte man statt so einer verwöhnten Bürgerstochter mal mehr fleißige Bauern zu Wort kommen lassen. Denn die tun etwas Nützliches für alle. Das heißt nicht, dass sie alles gut machen. Aber Städter können meist nicht beurteilen, ob sie es gut machen.
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