Ökologie > Urbane Legenden zur Ökologie > Ist Butter besonders klimaschädlich?

Die Lifestyle-Zeitschrift Öko-Test brachte am 21.2.2019 eine Hitparade der nach ihrer subjektiven Meinung klimaschädlichsten Nahrungsmittel. An die erste Stelle setzte sie die Butter. Zitat:
„Klimakiller Nummer 1: Butter (23,8 Kilo CO2-Äquivalente)
Das klimaschädlichste Lebensmittel in dieser Liste ist vegetarisch. Die Erklärung ist naheliegend: Butter enthält viel Milch. Um genau zu sein: 18 Liter für ein Kilogramm fertige Butter. Für viel Milch braucht man viele Kühe. Und Kühe produzieren beim Verdauen jede Menge extrem schädliches Methan. Methan wirkt 23 mal stärker auf das Klima ein als Kohlendioxid.
Unterm Strich werden für ein Kilogramm Butter knapp 24 Kilogramm CO2-Äquivalente ausgestoßen.“
Es ist interessant, wie genau manche Leute die Emissionen berechnen können, die bei der Erzeugung von Lebensmitteln entstehen, auch ohne die geringste Ahnung zu haben, wie die Lebensmittel in der Praxis erzeugt werden. Der sensationslüsterne Stil lässt schon erkennen, dass es hier nicht um Informationsweitergabe geht, sondern dass eine Agenda verfolgt wird. Sämtliche Aussagen des Artikels sind frei erfunden ohne jeglichen Realitätsbezug.
Die Kuh ist mal wieder das Methan ausstoßende Monster der Tierhasser. Nicht die Menschen mit den fossilen Brennstoffen sind schuld am Klimawandel, sondern die seit 30 Millionen Jahren existierenden Wiederkäuer und im weiteren Verlauf des Artikels auch die Pflanzen. Das erinnert doch stark an die alternativen Erklärungsmodelle des Klimawandels durch die GLS Bank und die AfD …
Gleich vorweg eine positive Nachricht: Nein, wir müssen uns die Freude am Buttern und den Genuss der Butter nicht aus Umweltgründen nehmen lassen. Der ganze Artikel ist reinster Populismus, eine Aneinanderreihung frei erfundener Behauptungen. In der Redaktion gibt es keinerlei ökologische Kompetenz. Den Glauben, Butter sei klimaschädlich, überlassen wir lieber den Konsumbürgern, die in ihrem Lehnsessel keine Ahnung haben, wie ihr Essen entsteht.
Theoretisch können wir ohne jede Freisetzung klimaschädlicher Gase Butter erzeugen. Das bedeutet allerdings, dass wir ganz ohne fossile Brennstoffe (also am ehesten von Hand) melken, abrahmen und buttern und dass die Tiere keinerlei Futter bekommen, das mithilfe von fossilen Brennstoffen gewonnen oder transportiert worden ist, also auch kein maschinell gewonnenes Heu.
Schon seit langem gibt es einen ideologischen Kampf zwischen dem Naturprodukt Butter und dem Industrieprodukt Margarine. In den 1970er Jahren wurde schon gegen Butter gehetzt. Damals mit Hinweis auf ihren Cholesteringehalt. Heute wissen alle kultivierten Menschen, dass das Cholesterin keine gesundheitlichen Probleme bringt. So muss heute der Klimawandel herhalten, der seit den „Fridays for Future“ immer mehr als das alleinige Umweltproblem dargestellt wird. Der Kampf zwischen Butter und Margarine kann als Stellvertreterkrieg zwischen Natur und Industrie angesehen werden.

Sehr bezeichnend für den Populismus von Öko-Test: In der Darstellung wird nicht unterschieden zwischen den Haltungs- und Produktionsformen; Butter aus kleinbäuerlicher Viehhaltung mit viel Weide wird ohne Erläuterung mit Butter aus Intensivhaltung mit Fütterung von viel Kraftfutter wie Sojaextraktionsschrot aus Argentinien in einen Topf geworfen, obgleich die Auswirkungen sehr unterschiedlich sind, z. B. durch die Futtertransporte und die Technisierung. Das spiegelt den Glauben wider, dass Maschinen und fossile Brennstoffe für den Klimawandel keine Rolle spielen. Auch das bei intensiver Düngung freigesetzte Lachgas, das mehrfach klimawirksamer ist als Methan und sich im Gegensatz zu diesem akkumuliert, ist dem Blatt unbekannt. Komplexes Denken darf man hier nicht erwarten.
Wenn du schon Butter gemacht hast, merkst du sofort: Insgesamt ist an der Argumentation unverkennbar, dass hier arbeitsscheue Schwätzer am Werk waren, denen die landwirtschaftliche Praxis vollkommen fremd ist. Wenn Leute, die noch nie einen Stall ausgemistet haben, sich zum landwirtschaftlichen Ressourcenumgang äußern, kommt meistens solcher Quatsch dabei heraus. Folgende Realitätsmängel stechen sofort ins Auge:
- Butter enthält (!) viel Milch? Komisch, wenn ich Butter mache, ist die Milch davon nicht weg. Wie kommt das nur? Nein, diese Idee vom hohen Milchverbrauch für Butter ist schlichtweg erstunken und erlogen. Wenn wir 18 kg Milch für 1 kg Butter verwenden (was natürlich in der Realität variiert), sind bei einer vernünftigen Ressourcennutzung die restlichen 17 kg nicht einfach weg, wie diese Hetzkampagne glauben macht; die Magermilch wird entweder für den menschlichen Konsum (auch als Zugabe beim Käsen oder für Skyr) oder aber als Tierfutter (Schweine, Kälber) genutzt. Auch die Buttermilch kann genutzt werden. Die Behauptung, dass Butter „viel Milch“ „enthält“, ist pure Bosheit.
- Die Kühe, die die Milch produzieren, produzieren auch noch andere Produkte, am Ende Fleisch und Leder, während des Lebens noch Dünger für den Ackerbau, sodass sie oftmals überhaupt erst die biologische Landwirtschaft ermöglichen.

Somit gelten die postulierten (frei erfundenen) „23,8 kg CO2-Äquivalente“ nicht nur für 1 kg Butter, sondern für die Summe von 1 kg Butter, etwas Buttermilch (Menge variabel je nach Konzentration des Rahms), vielen Litern Magermilch, ein wenig Rindfleisch und Leder und reichlich Mist und Jauche. Und schon sieht die Relation wieder ganz anders aus. Da haben sich auf jeden Fall Dilettanten ausgetobt mit völlig frei erfundenen Zahlen. Hier zeigt sich die ökologisch bedrohliche Mode, Pflanzenbau und Nutztierhaltung gegeneinander auszuspielen. Die Margarine– und Palmölindustrien werden sicher von dieser verzerrten Darstellung mehr profitieren als wir naturverbundenen Nahrungsmittelproduzenten.
Weiter unten wird auch für Käse und Sahne ein ähnliches albernes Zahlenspielchen ausgeführt: „Nicht nur für Butter, auch für Käse und Sahne werden große Mengen Milch benötigt.“ Dass bei der Käseherstellung auch noch Molke anfällt, die genutzt werden kann, etwa zur Schweinemast, wissen wir Praktiker gut, aber es ist den Sesselhockern in ihren technisch gut ausgestatteten Büros offenbar entgangen. Auch manche Fertigprodukte enthalten ein Molkenerzeugnis. Es stimmt, dass die Molke nicht immer genutzt wird. Aber so zu tun, als wäre sie nicht nutzbar, ist Bosheit.
Man kann sogar die Molke noch zentrifugieren und den Molkenrahm verbuttern, sodass die Butter der Milch nicht einmal Fett wegnimmt. Das wissen wir, die wir arbeiten. Das können diejenigen, die ihr ganzes Leben nur mit Zahlenspielchen zubringen, natürlich nicht wissen.
Und dann auch das noch: „Generell gilt für Milchprodukte: Je mehr Fett sie enthalten, umso schlechter sind sie für die Umwelt, weil für die Herstellung mehr Milch benötigt wurde.“ Es ist haarsträubend, was für ein schlechtes Ressourcenmanagement dieses verlogene Boulevardblatt hier den Bauern und Milchverarbeitern unterstellt, als ob der ganze Rest der Milch einfach weggeschüttet würde! Verleumdung pur! Solchen Leuten würde es die Augen öffnen, müssten sie mal selber im Schweiße ihres Angesichtes ihre Nahrungsmittel erzeugen, statt nur sinnlos elektrische Energie und Essen zu verschwenden. Typische verwöhnte Wohlstandsbürger eben, die das Essen nur aus dem Supermarkt kennen, jedenfalls nicht vom Acker und aus dem Stall.
Wessen Interessen dieses Hipstermagazin mit der boshaft-verlogenen Hetze gegen Naturprodukte vertritt, wird in meinem Buch „Naturschutz auf dem Teller“ erörtert. Kurz gesagt, geht es darum, die Menschen von naturnahen Produkten wegzubekommen, hin zu mehr Lifestyleprodukten.
Es werden viele wilde Behauptungen aufgestellt ohne irgendeine Erklärung, etwa: „Bei frischem Gemüse fallen nur 0,15 Kilogramm CO2-Äquivalente an, Äpfel liegen mit 0,5 Kilogramm etwas höher.“ Aha, Gemüsepflanzen und Apfelbäume stoßen also auch klimaschädliche Gase aus? Vielleicht sollten diese Leute mal dringend ihren Geisteszustand überprüfen lassen? Alles im Artikel ist reine Fiktion ohne jeglichen Realitätsbezug.
Ganz im Gegensatz zum bisher Gesagten doch noch dies hier: „Bei Bio-Produkten liegen die Treibhausgas-Emissionen durchschnittlich zwischen 5 und 25 Prozent niedriger als bei konventionellen Produkten.“ Aha! Düngung mit Mist ist wohl doch weniger klimaschädlich als synthetische Düngung. Wundert uns das? Mich nicht. Für diese Düngung bedarf es aber der Tierhaltung. Das ist zwar einfachste Logik, aber für Öko-Test und seine Leser zu hoch. Und wenn wir schon Tiere halten, die uns Mist liefern, dann spricht sicher nichts dagegen, dass wir sie melken und die Milch vielleicht auch noch in Rahm und Magermilch und den Rahm in Butter und Buttermilch trennen. Oder soll es dem Klima nutzen, die Milch einfach wegzuschütten? Man merkt, dass sich hier die faule Wegwerfgesellschaft zu Wort meldet, die das Essen nicht mehr wertschätzt. Wer kennt sie nicht, die Veganerlogik: Die Nutzung von Tierprodukten ist Ressourcenverschwendung, also muss man sie ungenutzt lassen.
Für Öko-Test und seine Leser zählen nur Lifestyle und repräsentatives Auftreten, während ihnen die Umwelt völlig egal ist. Nicht von ungefähr gehört das Magazin zu einer Gruppe namens „Green Lifestyle Group“. Eben: Lifestyle, und zwar grün gewaschen.
Und da der Klimawandel nicht das einzige Umweltproblem ist, sondern es z. B. auch Arten- und Biotopschwund gibt, sei abschließend daran erinnert, dass Grünland – und zwar Weiden noch mehr als Mähwiesen – eine viel größere Biodiversität aufweist als Ackerland, umso mehr, je oligotropher es ist. Deswegen unterstützen alle (alle!) Naturschützer die extensive Weidehaltung. Davon haben die Sesselfurzer von Öko-Test noch nichts mitbekommen, weil dort nicht das geringste ökologische Interesse da ist. Dagegen ist Margarine aus Palmöl aus Natur- und Umweltschutzgründen zu meiden. Also nur Mut beim weiteren Arbeiten mit Tieren! Dass die umweltverträgliche Weidehaltung weniger Tierprodukte liefert, als aktuell konsumiert werden, ist völlig richtig. Insgesamt sollte der Konsum von Tierprodukten, v. a. in der Stadt, reduziert werden, keine Frage. Aber wir können guten Gewissens in der Weidehaltung Tierprodukte bis hin zu Butter erzeugen und diese mit völlig reinem Ökogewissen zu uns nehmen.
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